Corona-Tagebuch: Vorräte

Vorratshaltung in der Krise

 

Es wird viel geschimpft und gelästert über

das Horten und Hamstern, aber wenn man nicht weiß wie Vorratshaltung geht und panische Angst hat, ist das eine verständliche Reaktion. In normalen Zeiten wird das spontane und lustbetonte Einkaufen und Essen gehen ja explizit gefördert, weil es hohe Gewinne bringt. Es nützt also nichts und ist auch nicht fair, darauf besserwisserisch mit erhobenem Zeigefinger oder mit Spott und Hohn zu reagieren (und vielleicht heimlich selber zu horten was das Zeig hält!). 

 

Sondern doch besser mit krisenbewährten und erfahrungsbasierten Tipps und Methoden.

Für mich gehört Vorratshaltung „schon immer“ zu meinem nachhaltigen Ernährungsstil. Sie ist ein steter Lernprozess, der zum Ziel eine Kreislauf-Hauswirtschaft hat, also die Vorräte kontinuierlich aufzubrauchen und dann wieder zu ersetzen, ohne Verluste. Und eben nicht, wahllos Vorräte zu hamstern, die dann irgendwann entsorgt werden müssen, weil auch sie nicht endlos haltbar sind oder weil man sie gar nicht braucht. (Toilettenpapier ist übrigens unter diesem Gesichtspunkt nicht der dümmste Vorratskauf, denn es hält sich quasi unbegrenzt. Es ist aktuell in manchen Gegenden nur nicht sehr freundlich anderen gegenüber, so viele Pakete wie möglich zu kaufen.)

  • Für Vorrats-Neulinge: Extra Schrank, Regale oder Raum schaffen. Die Flächen sollten trocken, unbeheizt und sauber sein.
  • Hygiene ist echt wichtig, Vorräte sind ein Eldorado für Ungeziefer aller Art. Gelegentliches Abstauben, Fegen und mit Wasser feucht ab- bzw. auswischen reicht aber völlig. Wichtig ist vor allem, dass alle bereits geöffneten Tüten und Behälter verschlossen sind, so dass sich keine Tierchen und Staub einnisten können. 
  • Von Anfang an für Übersichtlichkeit sorgen, denn was man nicht sieht, vergisst man!
  • Ein Ordnungssystem überlegen, damit man immer alles schnell findet. Z. B. nach Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendbrot, für Zwischendurch o. ä.) oder Produktkategorien (Mehle, Aufstriche, Nüsse, Nudeln, Getreide, Tees etc.).
  • Nachschauen, was alles da ist. Oft ist es mehr (oder weniger), als man meint.
  • Für Vorräte eine eigene Einkaufsliste anlegen. Dazu bitte Zeit nehmen und in Ruhe und mit Verstand überlegen, z. B. bei einer schönen Tasse Kaffee.
  • An den eigenen Ernährungsgewohnheiten orientieren. Keine haltbaren Produkte kaufen, die man bis jetzt auch nicht gebraucht hat, nur weil sie andere kaufen oder weil sie gerade knapp sind (Fertigpizza, Mehl, Hygieneartikel…) Auch wenn es schwer fällt, diesem Herdentrieb bitte widerstehen und auf die eigenen Bedürfnisse fokussiert bleiben.
  • Nicht alle Vorräte auf einmal einkaufen. Wir haben (noch) keine Versorgungsnot. Besser, bei jedem Einkauf nur einige Vorratsprodukte mitnehmen. Das sorgt für eine insgesamt längere Haltbarkeit, Kontinuität und bessere Versorgungslage für alle.
  • Auf Produkt (= Ernährungs-)Vielfalt achten. Nicht zu große Mengen eines Produktes kaufen, besser weniger von mehreren.
  • Bei haltbaren Produkten auf das MHD achten! Viele sind maximal 1- 2 Jahre haltbar, selbst bei großzügiger Auslegung. Es ist mir früher öfter passiert, dass ich z. B. Hülsenfrüchte gekauft habe, die kurz vor Ablauf waren. Wenn man die dann monatelang bis zur Zubereitung aufbewahrt, kriegt man sie nur noch weich, wenn man die Tricks und Kniffe dafür kennt (davon vielleicht ein andermal mehr).
  • Bei Lebensmitteln, die man selten braucht und die lange haltbar sind ist es eine gute Idee, das MDH extra mit einem dicken Stift drauf zu schreiben. Die Angaben sind ja meist nur winzig klein irgendwo vermerkt. (Ohne Lesebrille kann ich die gar nicht lesen.) Die Packungen und Tüten x-mal umdrehen zu müssen bis man es findet nervt und kostet Zeit.
  • Trockenware (Linsen, Kichererbsen, Bohnen etc.) bevorzugen. Ist gesünder, natürlicher, günstiger und schmackhafter als Flüssig-Konserven.
  • Erstmal auf einfache Basisprodukte wie Reis konzentrieren, aus denen man viele verschiedene Gerichte kochen kann. 
  • Ein kleiner Vorrat an Leckereien wie Schokolade ist in einer Krise empfehlenswert um was in petto zu haben, wenn die Stimmung mal nicht so gut ist.
  • Lagergemüse (Kohl, Kartoffeln, Wurzelgemüse etc.) nicht vergessen. Dafür eine eigene Kiste o. ä. anlegen. Kühl und dunkel aufbewahren. Ich habe immer eine auf der Terrasse, die ich mit einer alten Decke abdecke.

Ich wünsche einen guten Start in die Woche und guten Einkauf!

© Büro für Nachhaltige Esskultur 2020 - Irene Wild M.A.