Die geniale Kochkiste on Tour

Betr.: Ernährung & Klimaschutz / Genuss & Nachhaltiger Konsum / klimafreundlich selber Kochen / Entrepreneurship ökofair / Vorträge

 

Die Messen, Märkte und Veranstaltungen waren durchweg gut bis sehr gut besucht. Es besteht definitiv ein zunehmendes Interesse an nachhaltigen Produkten, insbesondere in den Bereichen „vegan“ und „bio“.  Ich konnte mich davon überzeugen, dass es ein stark wachsender Markt ist.

 

Bei den ersten beiden Veranstaltungen, bei denen ich einen Stand hatte, stellte sich jedoch heraus, dass die geniale Kochkiste (noch) kein Verkaufsprodukt darstellt, obwohl sie so innovativ und in Anbetracht von Klimawandel, FFF und schwindenden Ressourcen hochaktuell ist. Warum? Diese klimafreundliche Kochkistemethode ist einfach (noch) zu unbekannt, dazu ist eine geniale Kochkiste für ein Mitnahmeprodukt relativ hochpreisig und man kann sie sich auch leider nicht in die Tasche stecken. Letztendlich kaufen Messe- und Marktbesucher vorrangig Produkte, die sie schon kennen, nur eben in „besser“, sprich gesünder, ökologischer und nachhaltiger, oder die man bequem mitnehmen kann.

 

Das Interesse an meinen Kochkiste-Sets war erfreulicherweise aber sehr hoch. Alle fanden die Idee super, manche meinten gar, dass sie das konsequent nachhaltigste Produkt darstelle. Auch meine Kochkiste-Verkostungen fanden reisenden Absatz und wurden durchweg als sehr, sehr lecker befunden.Trotzdem war ich am Ende etwas frustriert, denn der Geräuschpegel und der Andrang waren so hoch, dass der für diese Kochmethode notwendige Informationstransfer kaum möglich war. Das fing schon damit an, dass einige meinten, die geniale Kochkiste sei ein Lieferservice. Und es ist so, wie es auch die Statistiken seit Jahren anzeigen, dass sich zwar die meisten irgendwie für Ernährung interessieren, aber echte Kochkompetenzen im Verschwinden begriffen sind.

Sehr oft wurde z. B. Nahrungszubereitung mit Kochen verwechselt. Unmöglich, solche Missverständnisse in so kurzer Zeit zu klären. Man hat im Schnitt maximal 30-60 Sekunden, sonst verliert man zu viele andere Interessenten, was mir viel zu häufig passiert ist, ich bin da nicht geschäftstüchtig genug :). Manche fühlen sich direkt angegriffen, wenn man freundlich etwas genauer erklären oder erläutern möchte. Das war auffällig. Warum diese Empfindlichkeiten, wenn es ums (Endo-)Kochen geht?, davon später mehr. Vor allem Männer interessierten sich mehr für die technische Kochkiste-Seite, gerne - übertypisch - in besserwisserischem Ton. Ich musste sehr viel „Mansplaining“ über mich ergehen lassen! (Wann wird das endlich anders?) Da wird dann ein Schnellkochtopf mit der Kochkiste gleichgesetzt oder stolz von der eigenen Solaranlage berichtet, die eine Kochkiste überflüssig mache, ich müsse die geniale Kochkiste digital aufpeppen, Himmel hilf! Bei den Müttern war festzustellen, dass auch hier immer noch viele - genauso übertypisch - den Alltags-Kochstress als Rollenaufwertung begreifen. (Dieselbe Frage: wann wird das endlich anders? Aber etwas tut sich doch in der Gender-Kochproblematik: am neugierigsten und offensten sind mir junge Männer begegnet!) Ich musste also zur Kenntnis nehmen, dass meine klimafreundliche und ökofaire Kochkiste ein Produkt ist, das den meisten völlig unbekannt ist bzw. über das es viele Falschinformationen und überholte Fakten gibt, oder das mit Verpackungs- und Lieferkisten verwechselt wird, für einen Verkaufsstand nicht geeignet ist. Nicht zuletzt, weil so ein Stand kostet. Wenn man diese beträchtlichen Ausgaben nicht über den Verkauf zumindest wieder erwirtschaften kann, so bedeutet das für ein Start-Up und Kleinstunternehmen wie meines, den sicheren Ruin, denn in der Gründungsphase übersteigen die Investitionen sowieso schon bei weitem die Einnahmen. Da hilft leider auch kein etwas günstigeres Start-Up-Angebot.

 

Große Hoffnung hatte ich auf die mehrtägige Teilnahme beim „Schaufenster Nachhaltiges Rheinland-Pfalz“ in Mainz gesetzt, denn da kann man eine Standfläche umsonst bekommen, wenn man beispielhaft nachhaltig wirtschaftet. Wer, wenn nicht ich!? Leider wurde meine Bewerbung - allein wie viel Zeit und Mühe das kostet! - abgelehnt, zu innovativ! Zu unbekannt! Was da stattfindet ist pures und mit Steuergeldern finanziertes „Green-Washing“, das verdächtig nach Klüngelei riecht: man nimmt und fördert nur etablierte, erfolgreiche und bereits bekannte Unternehmen, die überdies in der Lage wären, einen Stand zu bezahlen. Auf keinen Fall möchte man den Besuchern zu viel und echte Nachhaltigkeit zumuten, die sollen gefälligst möglichst viel konsumieren, saufen und fressen, so hat man mir das zu verstehen gegeben, es sei eine reine Verbrauchermesse. Mein vorbildhaftes nachhaltiges Start-Up bekam also keine Chance - ein Witz, bei dem einem doch das Lachen im Halse steckenbleibt. Der Gipfel war, dass man dann anbot einen Stand gegen Gebühr zu mieten, daher wehte also der Wind, Neue sollen bezahlen. Solche Enttäuschungen sind sehr schwer zu verkraften. Ohne Standgebühren und damit ohne finanziellen Druck wäre das „Schaufenster“ (der leider irreführende Name impliziert ja eigentlich eine Betrachtung und nicht den Konsum) eine ideale Informationsplattform für die geniale Kochkiste gewesen und ich bin überzeugt davon, dass das bei den Besucher*innen - so wie auch überall sonst bei der Kochkiste-Tour - sehr gut angekommen wäre, denn die positivste Erfahrung überall war: Es besteht unglaublich viel Kochkiste-Interesse! Und nicht alle Besucher*innen möchten explizit nur konsumieren, die Zeiten ändern sich glücklicherweise. Im RLP-Referat für Nachhaltigkeit ist das noch nicht angekommen, vielleicht erlebe ich zu Lebzeiten noch den Umschwung? Man muss optimistisch bleiben. 

 

Genauso hoch wie das Kochkiste-Interesse war der Informations- und Aufklärungsbedarf.

Klar wurde, wenn ich die geniale Kochkiste vorstelle, muss vorab erläutert werden, was selber Kochen eigentlich bedeutet und wie essentiell es für „das große ökosoziale Ganze“ - ist, die meisten wissen das nicht (mehr) oder nur sehr lückenhaft. Denn wenn man aneinander vorbeiredet, das ist anstrengend, nicht zielführend und macht auch keinen Spaß. 

 

Die KOCHKISTE-TOUR hat sich allein schon wegen der Erkenntnis gelohnt, dass es sich beim selber Kochen zuhause um einen sehr privaten, wenn nicht gar intimen Persönlichkeitsbereich handelt, über den nicht so gerne, selbstverständlich und offen wie ich das tun kann, gesprochen wird. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es sich dabei um ein ähnlich sensibles Thema handelt wie Hygiene oder Sex. Eigentlich nicht verwunderlich, denn bei diesen Themen klaffen Wunsch und Wirklichkeit, Denken und Handeln, oft besonders eklatant auseinander. Dazu sind diese Themen schnell mit Scham behaftet, gleichzeitig aber sehr wichtig für eine positive Selbstdarstellung. Für viele unlösbare Dilemmata, die schnell narzisstische Kränkungen und jeden netten Dialog abwürgende Abwehrmechanismen auslösen können. In all diesen sensiblen Persönlichkeitsbereichen wird gerne beschönigt, verdrängt, geleugnet, geschwindelt, manche lügen vorwärtsverteidigend sogar geradeaus wie gedruckt, letztendlich alles reiner und sehr verständlicher Selbstschutz. Aber so kann man nicht wirklich auf Augenhöhe kommunizieren, denn man merkt natürlich recht schnell, wer so tut als ob. Das macht die Face-to-Face-Kommunikation im öffentlichen Raum, was Messen und Märkte eben sind, dann schwierig, vor allem bei wenig Zeit und andere auch noch zuhören. Zu oft spürte ich, dass mein Gegenüber lange nicht so gut, umweltbewusst oder oft kocht wie behauptet.

Fazit nach den beiden Stand-Terminen war also, dass ich das Thema „klimafreundlich selber Kochen“ auch distanzierter angehen sollte. Kurzum, auf ökonomischer und kommunikativer Ebene musste grundlegend etwas geändert werden, um die geniale Kochkiste auf der Kochkiste-Tour erfolgreich vorzustellen. Letztendlich bekam ich die Bestätigung, dass der Themenkreis Kochkiste vorrangig in den Bildungs- und nicht in den Kommerzbereich gehört. Das wusste ich zwar vorher schon von der kulturwissenschaftlichen Betrachtungsweise her, aber die selbsterfahrene Bestätigung aus der Praxis verankerte das akademische Wissen auf ganzheitliche Weise, schloss gedankliche Sackgassen und eröffnete neue Aktionsfelder.

 

Zum Glück bieten Nachhaltigkeits-Messen vom direkten Verkauf abgetrennte Vortragsbereiche, da ihnen nicht nur der (mehr oder weniger) umweltbewusste Konsum wichtig ist, sondern auch die Vermittlung tiefer gehender Informationen. Die Teilnahme an Nachhaltigkeits- und Genuss-Märkten, die keine Info-Plattformen bieten, mussten demzufolge verworfen werden. Ich kontaktierte also infrage kommender Messen und erlebte eine äußerst positive Überraschung: alle fanden die Idee großartig und boten mir die Möglichkeit, mein Kochkiste-Kochkonzept vorzustellen - super! -, ganz herzlichen Dank! Unterstützung kommt eben sehr oft von Seiten, von denen man es gar nicht erwartet und umgekehrt. Es ist doch echt „verkehrte Welt“, wenn einem profitorientierte Unternehmen eine machbare Teilnahme ermöglichen und öffentliche, nicht auf Gewinn angewiesene, Institutionen nicht. Die ätzende Ironie an der Sache ist, dass einem die subventionierten Organisationen vorwerfen - oh, böse-böse-böse! - gewinnwirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Als ob die umsonst arbeiten würden! Und als ob effizientes, nachhaltiges und ergebnisorientiertes Wirtschaften guten Zwecke im Wege stehen würde, das Gegenteil ist der Fall! Wenn man als Kulturakteur*in etwas bewegen will, bleiben also nur 3 (durchaus kombinierbare) Möglichkeiten: 

  1. Der Weg durch die Institutionen (festes Einkommen, gesellschaftliche Anerkennung, „die sichere Nummer“). 
  2. Ehrenamt/ Hobby/ Gründung eines Vereins (setzt gesicherte Existenz voraus bzw. muss man sich leisten können über Festanstellung, finanzierende (Groß-)Eltern, Lebenspartner oder andere Gönner, Erbschaften, Rente etc.). 
  3. Man wird oder bleibt selbstständig/ Freiberufler und baut ein Gewerbe oder Klein-Unternehmen auf, um den selbst definierten „guten Zweck“ voranzutreiben und gleichzeitig den eigenen Lebensunterhalt zumindest anteilig darüber zu bestreiten (arbeitsintensiv, selbstausbeutend, riskant und unsicher aber: freies Denken und Handeln, Souveränität, Authentizität, flexibles Agieren, viele kreative Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten). 

Eine Zeitlang habe ich mit der 1. Möglichkeit geliebäugelt, mich aber schlussendlich entschieden, freiberufliche Akademikerin zu bleiben, aber statt einem "Brotjob" neben der wissenschaftlichen Kulturarbeit als Referentin und Autorin eben auch wieder als kreative Entrepreneurin tätig zu werden, weil ich leider nicht über Ressourcen für Möglichkeit 2 verfüge. Sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass man den Lebensunterhalt nachhaltig und ökofair (mit-)finanzieren möchte, ist unfair und lästig. Es ist in der Tat so, dass ich oft bei Nr. 2. verortet werde, keine Ahnung warum. Ich möchte an dieser Stelle klarstellen: das ist nicht der Fall, bitte um wohlwollende Kenntnisnahme, danke!

 

Das neue Kochkistetour-Messekonzept - Info-Vortrag in Verbindung mit Kochkiste-Präsentation und (wenn möglich) Kochkiste-Verkostung - ging dann wunderbar auf, die Resonanz war überwiegend sehr positiv und dadurch motivierend. Und Motivation ist genau das, was man als Selbstständige*r immer wieder braucht um nicht auszubrennen.

Denn natürlich ist das nur der Anfang, es liegt noch ein weiter Weg vor mir, um die Kochkistemethode als kleinen aber relevanten Baustein einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Esskultur und ökosozialen Ernährungskette bekannt zu machen und zu implementieren. Der Schlüssel dazu, das habe ich durch die Kochkiste-Tour gelernt, liegt weniger in der Vermittlung der Nachhaltigkeitsprinzipien, darüber kann man sich auch leicht informieren, sondern in der elementaren Bedeutung des selber Kochens, denn die (eigene) Küche ist das Herz der langen Ernährungskette! Und sie ist die Schaltstelle und Stellschraube, an der wir eigenverantwortlich entscheiden und drehen, und mit gesunder Ernährung und Klimaschutz JETZT und sofort anfangen können. „Food for Change“ (Slogan der diesjährigen Slowfood-Messe) nützt nichts ohne „Cook for Change“, weshalb ich dazu auch eine Initiative gestartet habe, von der ich hoffe, dass sie zunehmend Unterstützer*innen, Förder*innen und Mitmacher*innen findet, denn der notwendige sozio-ökologische Ernährungswandel wird m. E. nur kooperativ vernetzt gelingen und wenn wir bereit sind, „über den eigenen Tellerrand“ hinauszuschauen und uns transparent, fair, sachlich und unterstützend austauschen.

 

Zu guter Letzt hat die Kochkiste-Tour die Entscheidung bestätigt, dass es richtig war für mein Ratgeber-Kochkistebuch einen Kochbuchverlag zu wählen. Da sich die Publikation im renommierten und preisgekrönten HÄDECKE-Verlag nun schon über zwei Jahre hinzieht, war ich zwischendurch immer wieder von Zweifeln geplagt. Als Autor*in hat man leider keinen Einfluss auf den Erscheinungstermin. Wäre es schneller gegangen, wenn ich einen Verlag mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit genommen hätte? Wer weiß, auf alle geht es beim Thema Kochkiste nunmal vorrangig ums Kochen, das ist die Quintessenz der Kochkiste-Tour. Mein Ansatz ist zudem, dass ich niemanden ausschließen noch „bevor-MUND-en möchte, denn die Kochkistemethode ist grundsätzlich für alle Ernährungsweisen und Lebensumstände geeignet, nicht nur für "Ökos". Bescheiden ist er - so wie die Kochkiste - auch: Ich wäre schon glücklich, wenn mit ihrer Hilfe überhaupt (wieder) öfter selbst gekocht wird. Fakt ist, für echtes Kochen braucht es gute und abwechslungsreiche Rezepte. Egal, wie lange man schon kocht, ohne Rezepte geht es nicht, schon gar nicht auf Dauer. Diese schön und stimmig in Szene zu setzen kann nur ein Kochbuchverlag „mit Herzblut“. Kurzum, ich bin sehr froh, so entschieden zu haben. Ich selbst koche seit 40 Jahren professionell wie privat, natürlich geht da vieles aus dem Kopf, intuitiv und spontan improvisierend, trotzdem sind es immer wieder kreative Köch*innen und Rezepte, die mich motivieren und dafür sorgen, dass es mir beim Kochen, auch im Alltag, nie langweilig wird. Ein gutes Kochbuch ist und bleibt eine lohnende Investition und begleitet einen ein Leben lang. Zudem meine ich, dass die oft (und zu unrecht) verkannte Kochkiste es verdient, endlich auf fundiert informative und appetitliche Weise vor- und dargestellt zu werden! Gut Ding Weile braucht, aber nun geht es voran: Das Foto-Shooting für das Buch „Die geniale Kochkiste“ ist nun abgeschlossen, so dass ich optimistisch bin, dass es 2020 bald erscheint. Alle, die mich beim Buchprozess unterstützt haben und die schon sehnsüchtig darauf warten bitte ich um noch etwas Geduld. Ich bin überzeugt, es lohnt sich!

 

Man kann es jetzt schon direkt beim HÄDECKE Verlag vorbestellen:

Die geniale Kochkiste / ISBN 978-3-7750-0590-6

Fax: 07033 - 1380813 / Tel.: 07033 - 138080 / info@haedecke-verlag.de

 

Liste aller Messen und Veranstaltungen auf: www.die-geniale-kochkiste.de